Techno und Graffiti

Untergrund-Kulturen auf den Straßen Kubas

Konzert in der Fabrica de Arte Cubano in Havanna

Kuba ist im Ausland vor allem für seine traditionsreiche Musikkultur bekannt, doch in letzter Zeit ertönt ein anderer Stil besonders laut - der dumpfe Beat elektronischer Tanzmusik.

Kuba ist im Ausland vor allem aufgrund seiner traditionsreichen Musikkultur bekannt. Auf den Straßen, in den Häusern und Nachtclubs der Karibikinsel erklingen verschiedenste musikalische Genres, die sich zu einem bunten Mix vermischen: Son, Jazz, Salsa, Rock, Reggaeton, Fusión und mehr. Doch in letzter Zeit ertönt ein Beat ganz besonders laut – der dumpfe Beat elektronischer Tanzmusik. Denn Techno ist unter der kubanischen Jugend so populär wie nie zuvor.

Geschichte des Technos in Kuba

Die Geschichte des kubanischen Techno beginnt in den 60er Jahren als der Komponist Juan Blanco – gefolgt von den Musikern Leo Brouwer und Edesio Alejandro – das erste Musikexperiment mit elektroakustischen Klängen startet. Mit der Zeit wächst das Interesse am Techno; 1979 gibt es bereits mehrere DJs und so wird das erste Musikstudio für elektronische Musik gegründet: Das Laboratorio Nacional de Música Electroacústica – zu deutsch Nationales Labor für elektroakustische Musik – dient bis heute als Plattform für neue Künstler und experimentierfreudige Producer.

Trotz prekärer Strukturen und fehlendem Equipment avanciert Havanna in den 90er Jahren zum Mittelpunkt des kubanischen Techno. In der Inselhauptstadt wurden damals die wichtigsten Events der Szene ausgetragen und dutzende Privatpartys organisiert, auf denen die angesagtesten DJs und Bands der Stunde auftraten. Der Techno Boom brachte nicht nur neuartige Klänge auf die Insel, sondern schuf eine ganze Jugendkultur rund um die elektronische Tanzmusik.

Zuschauer bei einem Konzert in der Fabrica de Arte in Havanna
Auf Eurer Reise durch Kuba empfehlen wir Euch, an der lokalen Kultur teilzunehemen, zum Beispiel in Havanna könnt Ihr viele Konzerte mit Live Musik genießen – so entdeckt Ihr das wahre Kuba!

Im Kontext der Technokultur wurde das Festival Rotilla geboren, ein Technofestival an einem der Strände im Osten Havannas. Das Rotilla Festival war eines der ersten Musikevents Kubas auf dem ausschließlich elektronische Musik gespielt wurde und lockte mit seinem Line Up jährlich tausende von jungen Technobegeisterten. Heutzutage lebt die Tradition des Rotilla durch das Festival Verano en Jibacoa weiter, obwohl die neue Version des Events deutlich weniger Besucherzahlen aufweist.

Mit der Jahrtausendwende hat sich die Techno Szene in Kuba stetig weiterentwickelt und ist gewachsen. Hinzugekommen sind staatliche Förderungen und selbstorganisierte Projekte wie die Partyreihen SARAO und Enjoy, die zu beliebten Treffpunkten der Szene geworden sind.

Die Technoszene heutzutage

Ob Dienstag, Donnerstag oder Samstag – in Havanna findet man heutzutage an fast allen Tagen der Woche ein passendes Techno Event. Bekannte Clubs sind die Bar F und der Melen Club; tolle Techno Veranstaltungen gibt es außerdem im Hotel Capri und im Tropical.

Mittlerweile gibt es in Kuba eine große Reihe an DJs, die die landeseigene Technoszene repräsentieren: Kike Wolf, Joyvan, Iván Lejardi, Jigüe, las PAUZA, Wichy de Vedado und Eddy GT sind nur einige von vielen.

Fernsehsendungen und Festivals sind weitere Aushängeschilder. Sie dienen außerdem als Austauschs- und Vernetzungsplattform zwischen einheimischen und internationalen Künstlern der elektronischen Musik. Bekannte kubanische Techno Festivals sind Eyeife, Proelectrónica, Manana, Habana Ciudad Electronica, Havana World Music und Stereo G. Die Anwesenheit international anerkannter DJs wie Major Lazer oder Denis Sulta auf den Festivalbühnen Kubas, haben ohne Frage die aktuelle Produktion elektronischer Musik auf der Insel beeinflusst und die Diversität des kubanischen Techno bis hin zu einem ganz eigenen Stil gefördert.

Galería a cielo abierto /  Open Air Galerie

Ein Graffiti an der Wand eines Rooftop Cafés in Alt-Havanna
Mit unseren geführten Touren entdeckt Ihr Havannas geheime Ecken, mit beeindruckenden Graffitis.

Ganz eigen ist auch die urbane Kunst der Karibikinsel, deren unverwechselbarer Stil die Straßen des Landes schmückt. Wo einst politische Bilder und Sprüche nationaler Helden die Wände zierten, findet man heute eine großartige Graffitikollektion der besten Streetart Künstler des Landes vor.

Besonders Havanna hat sich – seit dem Aufkommen der Kunstrichtung auf der Insel – in eine Art Open Air Galerie verwandelt: Ganze Viertel zeigen sich heute im Streetart-Gewand mit prächtigen Wandbildern und Graffitis. Die urbane Kunst gehört in Kuba längst nicht mehr zur Underground Szene, sondern konnte sich in den letzten Jahren erfolgreich von anhaftenden Stigmata und Vorurteilen lösen.

Der San Isidro Art District

Bezirke wie San Isidro, im historischen Zentrum der Stadt und mit einer Vergangenheit voller Traditionen seit den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, hat von der Streetart profitierte und sie wiederbelebt.

Heute haben sich mehrere Unternehmer der Gegend zusammengeschlossen, um den “San Isidro Art District” zu entwickeln, eine Initiative, die von dem bekannten Schauspieler Jorge Perugorría angeführt wird. Sie wird als Kunst im Freien gesehen und wer den Ort besucht, steht in ständiger Interaktion mit einem riesigen künstlerischen Korridor. Es zeigt auch die Traditionen und Ursprünge von Havanna seit der Gründung der Villa. Im Restaurant Jesús María 20 zum Beispiel, kann man mehrere Porträts von Figuren bewundern, die an Gangster erinnern.

Bekannte Graffitikünstler Kubas

Kuba-Reisende betrachten ein schönes Wandgemälde Straßenkunst in Havanna
Entdeckt Kubas vielseitige Streetartkultur in den Straßen Havannas.

Einer der international bekanntesten kubanischen Graffitikünstler ist Fabián (2+2=5?). Mit nur 23 Jahren schafft er es, mit seinem Skateboard die ganze Küste Havannas entlang zu fahren, um Wände freizulegen und sie mit seinen Spraydosen zu bedecken.

Mr. Myl, ist ein weiterer der beliebter Künstler, aufgrund seiner Vielfalt an Stilen. Er macht bunte Punk-Totenköpfe, mit Diamanten in den Augen, von ihm ausgedachte Pop-Monster, oder Frauen und Männer aus dem Rap-Genre. Er ist einer der am meisten vertretenen Künstler in San Isidro und innerhalb der Fábrica de Arte.

Ausdrücke, die den Untergrundgeist des jungen kubanischen Lebens repräsentieren. Ein Land, das aus diesen Blicken ein erneuertes Bild seiner Menschen und kulturellen Traditionen projiziert.